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Pegida marschiert am 9.11. durch Dresden: Deutschland, heute schäme ich mich für Dich!

Der 9. November ist das bedeutendste Datum in der deutschen Geschichte. Wenn es schon Herbst geworden ist und die Bäume eher kahl als bunt entlang der Straßen stehen, scheinen in regelmäßigen Abständen politische Stürme durch Deutschland zu blasen.

Heute ist wieder der 9. November, 77 Jahre nach der Reichspogromnacht und 26 Jahre nach dem Mauerfall. Und in Dresden treffen sich heute wieder Tausende Menschen, um gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ zu demonstrieren.

Um die Bedeutung dieses Datums zu verstehen, hier ein kurzes Rückblick:

Manchmal bringt der 9. November den Deutschen eine positive Veränderung. So wie 1918, als die Meuterei der Kieler Marinesoldaten den längst verlorenen Ersten Weltkrieg beendete. Oder 1989, als die Berliner Mauer fiel und sich Menschen aus Ost und West in den Armen lagen.

Mindestens einmal kündete der 9. November von den finsteren Zeiten, die noch kommen sollten. Am 9. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen. Geschäfte von jüdischen Inhabern wurden geplündert. In der Woche vom 7. bis zum 13. November wurden 400 Menschen umgebracht oder in den Tod getrieben, 30.000 Menschen wurden in Konzentrationslager gebracht. Es war der Beginn der offenen Judenverfolgung in Deutschland.

Heute marschieren also Pegida-Anhänger durch Dresden und viele andere deutsche Großstädte.

Noch vor kurzem schien Hass gegen Religionen in Deutschland undenkbar

Noch vor zehn Jahren hätte kaum jemand geglaubt, dass je wieder Menschen wegen ihres Glaubens in Deutschland diskriminiert und angeprangert werden würden. Zu eindrucksvoll schienen die Lehren aus der Nazi-Zeit zu sein. Aber genau das wird heute wieder in Dresden der Fall sein. 

Miese Unterstellungen gegen Asylbewerber

Ausgerechnet in einer Stadt, deren muslimischer Bevölkerungsanteil gegen Null geht. In einem Bundesland, in dem sich in diesem Jahr schon Dutzende Übergriffe auf Flüchtlingsheime ereignet haben.

An diesem 9. November werden wir in Dresden und vielen anderen deutschen Städten, in denen Pegida-Anhänger auf die Straßen gehen, wieder Unterstellungen hören: Dass muslimische Männer sexlüstern seien, dass sie nur Geld abkassieren wollten, dass sie verkappte Terroristen sind. Man muss sich das mal vorstellen: an einem 9. November.

"Wir sind das Volk" ist das neue "Ausländer raus!"

Und der Freiheitsruf von 1989, „Wir sind das Volk!“, wird auch heute wieder eher nach „Ausländer raus!“ denn nach Hoffnung klingen. Eben diese Perversion macht den 9. November 2015 zum traurigsten „Schicksalstag der Deutschen“ seit dem Ende des DDR-Regimes.

Offen gesagt: Ich schäme mich für das, was heute in Dresden passiert. Aber Dummheit kann man nicht verbieten. Sie passiert einfach. Auch das ist eine Lehre aus der deutschen Geschichte.

Ein Glück, dass es eine Gegendemonstration in Dresden geben wird, die explizit Bezug nimmt auf die Ereignisse von 1938 und 1989. Möge sie den nötigen Zulauf haben, den sie verdient. Damit dieser Tag seinen historischen Frieden findet.

 

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